Der Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten ist seit Jahren bekannt. Während viele Ärztinnen und Ärzte in den kommenden Jahren pensioniert werden, steigt gleichzeitig der Bedarf an medizinischer Grundversorgung – nicht zuletzt aufgrund der alternden Bevölkerung. Eine aktuelle Masterarbeit der Universität Zürich geht nun der Frage nach, welche konkreten Auswirkungen die Schliessung von Hausarztpraxen auf die verbleibenden Ärztinnen und Ärzte sowie auf die Patientenversorgung hat.
Die Arbeit von Xavier Schärer basiert auf umfangreichen Daten der obligatorischen Krankenversicherung aus den Jahren 2018 bis 2024. In diesem Zeitraum wurden in der Schweiz rund 1000 Hausarztpraxen aufgegeben – das entspricht etwa drei Prozent aller Praxen pro Jahr. Die Analyse zeigt deutlich: Die Folgen dieser Entwicklung sind stark davon abhängig, wie gut eine Region bereits versorgt ist.
In Gebieten mit ohnehin geringer Ärztedichte führte jede weitere Praxisschliessung zu einem spürbaren Rückgang der Versorgung. Sowohl die Anzahl der Konsultationen als auch das abgerechnete Leistungsvolumen nahmen nahezu proportional zur Zahl der geschlossenen Praxen ab. Zwar stieg die Patientenzahl pro verbleibendem Arzt leicht an, doch dieser Effekt reichte nicht aus, um die verlorenen Kapazitäten zu kompensieren.
Auffällig ist zudem, dass Patientinnen und Patienten ihre Arztbesuche kaum in benachbarte Regionen verlagerten. Die Daten deuten ausserdem darauf hin, dass verbleibende Praxen seltener neue ältere oder multimorbide Patientinnen und Patienten aufnehmen. Insgesamt zeigt sich damit ein nahezu direkter Zusammenhang: Weniger Praxen bedeuten eine weniger intensive medizinische Betreuung.
Anders sieht die Situation in Regionen mit mittlerer Ärztedichte aus. Dort blieben die Effekte von Praxisschliessungen vergleichsweise gering. Offenbar verfügt das System hier über genügend Spielraum, sodass sich die Patientinnen und Patienten relativ problemlos auf die verbleibenden Praxen verteilen konnten.
In dicht versorgten Regionen zeigte sich sogar ein überraschendes Muster: Die verbleibenden Praxen weiteten ihre Tätigkeit nicht aus, sondern rechneten insgesamt weniger Leistungen ab. Laut Schärer reagieren Ärztinnen und Ärzte in solchen Situationen eher mit organisatorischen Anpassungen als mit einer gezielten Expansion ihrer Praxis.
Die Studie macht deutlich, dass Praxisschliessungen nicht überall die gleichen Folgen haben. Während viele Regionen derzeit noch als relativ robust gelten können, führen Schliessungen in unterversorgten Gebieten unmittelbar zu Versorgungslücken.
Um einem systematischen Abbau der medizinischen Grundversorgung entgegenzuwirken, sind gezielte Massnahmen notwendig. Dazu gehören eine frühzeitige Nachfolgeplanung, Anreize zur Praxisübernahme sowie Mechanismen, die insbesondere die kontinuierliche Betreuung multimorbider Patientinnen und Patienten sicherstellen. Angesichts der demografischen Entwicklung – rund die Hälfte der Schweizer Ärztinnen und Ärzte ist über 50 Jahre alt – wird eine regional abgestimmte Personalplanung immer dringlicher.
Quelle: medinside.ch
Weitere Grundlagen:
– Xavier Schärer (2026): How Primary Care Practice Closures Affect Remaining Physicians: Evidence from Swiss Health Insurance Data, Masterarbeit, Universität Zürich
– Bischof, T. / Kaiser, B. (2021): Who cares when you close down?, Health Economics
Hinter jeder Arbeit steht eine Person mit ihren Fähigkeiten. Lernen Sie uns und unsere Arbeitsphilosophie kennen.
Sehen Sie sich unser Angebot für Unternehmen und Stellensuchende an. Wir freuen uns, Sie unterstützen zu dürfen.