Diese Entscheidung steht früher oder später vor fast jedem Arzt in der Schweiz: Weiter im Spital als angestellter Facharzt – oder der Schritt in die Selbständigkeit mit eigener Praxis?
Keine der beiden Optionen ist pauschal besser. Was richtig ist, hängt von Ihrer Lebenssituation, Ihrem Fachgebiet und vor allem davon ab, was Sie sich von Ihrer Karriere wirklich erwarten.
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Jetzt Jobs ansehenFinanziell schlagen selbständige Fachärzte ihre angestellten Kollegen in der Regel deutlich. Mit eigener Praxis sind in der Schweiz Einkommen von 220’000 bis über 400’000 CHF pro Jahr realistisch – als angestellter Oberarzt liegen Sie typischerweise zwischen 130’000 und 200’000 CHF.
Doch Geld ist nicht alles: Die eigene Praxis bedeutet unternehmerisches Risiko, Managementverantwortung und deutlich mehr Administration.
Ich spreche täglich mit Ärztinnen und Ärzten, die an genau diesem Punkt stehen. Einige träumen seit dem Studium von ihrer eigenen Praxis. Andere merken erst nach Jahren im Spital, dass ihnen die Patientenkontinuität fehlt, die eine Praxis bieten kann.
Und dann gibt es jene, die sich in einem Universitätsspital in einer akademischen Karriere sehen – für sie wäre eine Niederlassung der falsche Schritt.
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Jobs entdeckenFangen wir mit dem an, was die meisten zuerst interessiert. Die Gehaltsunterschiede zwischen angestellt und selbständig sind in der Schweiz erheblich – aber auch ehrlicher betrachtet als oft dargestellt.
| Position / Modell | Jahresgehalt (CHF brutto) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Assistenzarzt (Spital) | 100’000 – 125’000 | Inkl. 13. Monatslohn, Nachtzulagen |
| Facharzt angestellt (Spital) | 140’000 – 200’000 | Je nach Kanton und Fachrichtung |
| Oberarzt angestellt | 150’000 – 210’000 | Durchschnitt Kt. Zürich: 9’272 CHF/Monat × 13 |
| Leitender Arzt | 180’000 – 280’000 | Variable Anteile oft nicht enthalten |
| Chefarzt | 200’000 – 500’000+ | Liquidationsrecht bei Privatpatienten möglich |
| Selbständiger Facharzt (Praxis) | 220’000 – 400’000+ | Vor Praxiskosten; sehr fachrichtungsabhängig |
Wichtiger Hinweis: Die Zahlen für selbständige Ärzte sind Nettoumsatz vor Praxiskosten. Eine gut geführte Allgemeinpraxis hat Overheadkosten von typischerweise 45–55 % des Umsatzes.
Was am Ende als persönliches Einkommen bleibt, kann je nach Praxisgrösse und Miete stark variieren.
Die Anstellung im Spital ist für viele der natürliche Lebensweg nach der Facharztausbildung. Das ist kein Zufall – sie bietet echte Vorteile, besonders in den ersten Jahren nach dem Facharzttitel.
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Jetzt bewerbenDen Schritt in die eigene Praxis zu wagen ist eine der bedeutendsten Entscheidungen im Arztleben. Nicht alle, die es wagen, bereuen es – aber einige unterschätzen, was auf sie zukommt.
Die häufigste Enttäuschung bei Praxisgründern: Sie unterschätzen den Verwaltungsaufwand massiv.
Tarmed-Abrechnung, Personalführung, Lieferantenverträge, Praxissoftware und Qualitätsmanagement beanspruchen oft 15–25 % der Arbeitszeit.
Ehrlich gesagt: mehr, als die meisten beim ersten Gedanken annehmen. Die gute Nachricht ist, dass Banken Ärzten in der Schweiz in der Regel bereitwillig Kredite gewähren – die Branche gilt als kreditwürdig.
| Kostenposition | Typische Bandbreite (CHF) |
|---|---|
| Medizinische Einrichtung & Geräte | 80’000 – 400’000 |
| Umbau und Innenausbau der Räumlichkeiten | 50’000 – 150’000 |
| Praxissoftware | 5’000 – 25’000 |
| Betriebskapital für die ersten 6 Monate | 50’000 – 100’000 |
| Anwalt, Steuerberater, Berater | 10’000 – 30’000 |
| Versicherungen | 5’000 – 15’000 / Jahr |
| Total Neugründung | 200’000 – 700’000 |
| Praxisübernahme | 100’000 – 500’000 |
Deshalb wählen viele Ärzte den Weg der Praxisübernahme statt der Neugründung. Sie kaufen eine bestehende Praxis mit eingeführtem Patientenstamm, bestehendem Personal und laufendem Kassenzulassungsstatus. Das reduziert das Risiko deutlich.
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Jobs ansehenViele Ärzte, die eine Praxis gründen möchten, werden von diesem Punkt kalt erwischt: Ohne Zulassung zur Abrechnung mit der obligatorischen Krankenpflegeversicherung können Sie keine Kassenleistungen erbringen.
In vielen Kantonen und Fachrichtungen gilt seit 2019 ein Zulassungsstopp. Besonders betroffen sind Allgemeinmedizin in Zürich und Bern sowie Pädiatrie und Psychiatrie in Grosszentren.
Informieren Sie sich deshalb frühzeitig beim kantonalen Gesundheitsamt.
Es gibt Wege rund um dieses Problem: Zulassungen können in bestimmten Fällen übernommen werden, zum Beispiel bei Praxisübernahme vom abgebenden Arzt. Alternativ kann eine Niederlassung in einer unterversorgten Region sinnvoll sein.
Nicht jede Spezialisierung lässt sich gleich gut in einer ambulanten Praxis betreiben. Das hat sowohl wirtschaftliche als auch medizinische Gründe.
Die folgenden Fragen helfen Ihnen, Ihre eigene Haltung klarer zu sehen. A = spricht eher für Anstellung, P = spricht eher für Praxis.
| Frage | Tendenz |
|---|---|
| Planen Sie eine akademische Karriere oder möchten Sie forschen? | A |
| Sind Sie bereit, 20 % Ihrer Zeit mit Verwaltung zu verbringen? | P |
| Ist Ihnen ein fixes, monatlich planbares Einkommen wichtig? | A |
| Möchten Sie Patienten über Jahre hinweg persönlich begleiten? | P |
| Stört Sie die Hierarchie und Politik in Spitälern? | P |
| Schätzen Sie den täglichen Austausch mit Fachkollegen? | A |
| Haben Sie unternehmerische Erfahrung oder möchten ein Team führen? | P |
| Ist Ihnen das Einkommen der nächsten 2–3 Jahre weniger wichtig als das langfristige Potenzial? | P |
| Haben Sie eine Familie, für die finanzielle Stabilität besonders wichtig ist? | A |
| Arbeiten Sie in einer Fachrichtung mit hohem Gerätebedarf? | ↔ |
Viele Ärzte wählen heute keinen der beiden extremen Wege, sondern einen hybriden Ansatz. Die Gruppenpraxis und die Praxisgemeinschaft liegen genau in der Mitte.
Mehrere Ärzte teilen eine Praxis – inklusive Personal, Infrastruktur und oft auch Patientenstamm. Das Einkommen wird nach vereinbarten Schlüsseln aufgeteilt.
Vorteil: geteiltes Risiko, Urlaubs- und Krankheitsvertretung funktioniert intern, und ein kollegialer Alltag bleibt erhalten.
Hier teilen sich Ärzte nur die Infrastruktur, arbeiten aber wirtschaftlich vollständig unabhängig voneinander. Das bedeutet weniger Bindung und weniger Konfliktpotenzial, aber auch weniger gegenseitige Entlastung.
Für chirurgische Fachrichtungen ist das Belegarztmodell interessant: Sie führen eine ambulante Praxis, operieren aber gegen Entgelt in einem Partnerspital, ohne eigene Operationsinfrastruktur besitzen zu müssen.
Wer zum ersten Mal in die Selbständigkeit wechselt, sollte ernsthaft über eine Gruppenpraxis oder Praxisübernahme nachdenken – statt eine vollständige Neugründung.
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Jetzt Stellen findenOb Spital oder eigene Praxis besser ist, hängt stark von den persönlichen Zielen ab.
Die eigene Praxis bietet mehr Freiheit und höheres Einkommenspotenzial, verlangt aber auch unternehmerisches Denken und Verantwortung.
Das Spital bietet Sicherheit, Struktur und fachlichen Austausch. Für viele Ärzte ist auch eine Gruppenpraxis oder Praxisübernahme ein attraktiver Mittelweg.
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